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Agata Zubel: 3 Songs

Agata Zubel: 3 Songs

Ohne Worte. Falsche Richtung. Es sollte nicht so sein.
Agata Zubel

Biografie

Agata Zubel

Agata Zubel

Die Komponistin und Sängerin Agata Zubel (*1978 in Wrocław) ist bekannt für ihren einzigartigen Stimmumfang und die Beherrschung herausfordernder Stimmtechniken. Sie konzertiert weltweit und arbeitet mit führenden Ensembles wie Los Angeles Philharmonic, Seattle Symphony, Niedersächsisches Staatsorchester Hannover, Klangforum Wien, Ensemble Musikfabrik, Ensemble Intercontemporain, London Sinfonietta, Ictus, Eighth Blackbird, Seattle Chamber Players, San Francisco Contemporary Music Players, Münchener Kammerorchester, Neue Vocalsolisten und Remix Ensemble zusammen. Agata Zubel erhielt wichtige Auszeichnungen wie den »Passport«-Preis der Wochenzeitschrift »Polityka« für klassische Musik (2005), den »Fryderyk«-Preis für ihre CD Cascando (2010), die Vocal Recital Apparition (2020), den Preis »Polonica Nova« (2014), den Coryphaeus of Polish Music (2016), den European Composer Award (2018), den Erste Bank Kompositionspreis (2018), das »Badge of Merit to Polish Culture« sowie die Medaille »Gloria Artis«. Sie lebt in Wrocław, wo sie an der Hochschule für Musik unterrichtet. Zusammen mit dem Komponisten und Pianisten Cezary Duchnowski gründete sie das ElettroVoce Duo. www.zubel.pl

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Alla Zagaykevich: Signs of Presence

Alla Zagaykevich: Signs of Presence

2018 erschien in Kiew ein Buch der berühmten ukrainischen Dichterin Iya Kiva mit dem Titel »Ein Stück weiter vom Himmel«. Und der Titel des Vorworts lautete: »Notizen über das Konzept der Vorhölle«. Ja, seit dem Sommer 2014seit der Flucht aus dem besetzten Donezkbegann für diese Dichterin ihr eigener Limbus. Wie es etwa bei Paul Celan begann.

Die Art und Weise, »Zeichen der Gegenwart« zu lesengeht durch den Klang.

Wir erinnern uns an vergessene Melodien von Wiegenliedern, Kinderliedern oder alten Schreien… Wir nähern uns dem Instrumentwir lauschen der Welt um uns herum, klammern uns an ihre Reben, ihre Bäume… wir lauschen auf all ihre Zeichen, wir erkennen uns selbst darin.

(Ich schreibe diesen Werkkommentar am 31. Dezember 2021 in Kiew. Am Morgen sah ich in der Zeitung wieder die Ankündigung über die Sammlung von Truppen Russlands an den Grenzen der Ukraine… Und das ist ein Teil meiner »Zeichen der Gegenwart«)
Alla Zagaykevych

Biografie

Alla Zagaykevich

Alla Zagaykevich

Alla Zagaykevych (*1966) ist ukrainische Komponistin, Performance-Künstlerin, Kuratorin elektroakustischer Musikprojekte und Musikwissenschaftlerin. Sie studierte an der Nationalen Musikakademie der Ukraine in Kiew und besuchte 1995/96 den Jahreskurs für Komposition und Musikinformatik am IRCAM (Paris). Seit 1997 ist sie Dozentin an der Kompositionsabteilung der Nationalen Musikakademie der Ukraine in Kiew, wo sie das Studio für elektronische Musik gründete (unterstützt von der International Renaissance Foundation).

 

Ihr Werk umfasst symphonische, instrumentale und vokale Kammermusik, elektroakustische Kompositionen, multimediale Installationen und Performances, Opern und Filmmusik. Seit 2003 ist sie Künstlerische Leiterin der internationalen Projekte Electroacoustics Kiew, seit 2010 die Präsidentin der Vereinigung für elektroakustische Musik der Ukraine. 2017 kuratierte sie das Musikprogramm des Book Arsenal Festivals, 2018 bis 2020 das Envision Sound Programm des British Council und des Dovzhenko Centre, 2019 war sie Mentorin der internationalen Meisterklasse für akusmatische und elektroakustische Musik »Sound around me« in Wien. Alla Zagaykevych verfasste zahlreiche musikwissenschaftliche Artikel. Als beste Komponistin erhielt sie 2017 die Goldene Dzyga der Ukrainischen Filmakademie.

http://cargocollective.com/mediartists/filter/Ukraine/Alla-Zagaykevych

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Ying Wang: Illuminations. 3 Songs

Ying Wang: Illuminations. 3 Songs

Iluminations steht hier für den Wunsch zu erleuchten, was bewusst vergessen oder ignoriert wird; was in einem unbestimmten Ort »in Limbo« gehalten wird; was jemanden zum gesellschaftlichen und politischen Waisen macht. Die Lieder von Illuminations nehmen sich solcher Waisen an. Sie basieren auf deren eigenen Aussagen und sind teils Protokoll, teils energische Rede. Die Lieder demonstrieren: Sie werden durch Tonbänder vielstimmig, durch Megaphone laut, durch Smartphones international geteilt und dokumentiert. Die drei Illuminations-Songs suchen keine subtilen Schattenbereiche des Ausdrucks auf, sondern machen die Klaviertasten zu skandierenden Posaunen und E-Gitarren. Die Musik dazu entstammt der Tradition des politischen Protestliedes und des Rock-Songs. Illuminationen ist auch der Titel eines Essay Bandes von Walter Benjamin, der als latente Inspirationsquelle diente.
Yin Wang

Biografie

Ying Wang

Ying Wang

In ihren Kompositionen beschäftigt sich Ying Wang (1976 in Shanghai) mit Themen wie Umweltverschmutzung, globalen sozialen Missstände, politischer Verfolgung oder dem Verhältnis des Menschen zur Technologie. Sie sucht in ihrer Arbeit stets neue Schnittstellen zu anderen Medien und Künsten wie Tanz, Video, digitale Kunst, Licht, bildende Kunst und Performance.

Ying Wang kam 2003 aus Shanghai zunächst nach Köln und schließlich nach Berlin. Sie hat mit zahlreicheichen Orchestern und Ensembles in Europa sowie Asien zusammengearbeitet. 2013 wurden ihr der Produktionspreis des Giga-Hertz-Preises und der Komponistenpreis der 5. Brandenburger Biennale verliehen. Neben dem IEMA-Stipendium 2009/10 erhielt sie weitere Stipendien vom Experimentalstudio des SWR, vom Bundesministerium Wien und auf Vorschlag von Peter Eötvös vom Herrenhaus Edenkoben. 2014 gewann sie den 35. Irino prize für Kammerorchester in Tokio. 2015 lud der Deutschlandfunk sie als »Composer in residence« zum Festival »Forum Neuer Musik« in Köln ein. 2017 erhielt sie den Heidelberg Künstlerinnenpreis. 2020 war sie Stipendiatin der Deutschen Akademie in Rom.

Ying WANG absolvierte ihr Kompositionsstudium bei York Höller, Rebecca Saunders und Johannes Schöllhorn an der HfMT Köln. Elektronische Komposition studierte sie bei Michael Beil. 2010 schloss sie den Masterstudiengang für Zeitgenössische Musik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt im Rahmen eines Stipendiums der Internationalen Ensemble Modern Akademie (IEMA) ab. 2012 nahm sie am Cursus de Composition et d’informatique musicale/Ircam Paris teil.

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Sven Ingo Koch: Simple Songs & Lieder des Verzehrens

Sven Ingo Koch: Simple Songs & Lieder des Verzehrens

1 maulbeeren
2 fenchel
3 marder
4 vogelgrabsong
5 streichholz

Lieder zu schreiben, Gesangliches zu komponieren, ist seit vielen Jahren mein Wunsch. Allerdings wollte ich mich auf jene Verfahren und Ausdrucksformen, die mir sonst bei meiner melodischen Arbeit wichtig sind, nicht verlassen: Eine »Heterochronität« simultaner Ebenen und achteltönig auskomponierte melodische Linien habe ich mit Blick auf die Besetzung zu Beginn des Arbeitsprozesses ausgeschlossen. In dieser Beschränkung lag zugleich der Reiz, mich bei manchen Liedern in Richtung »Song« zu bewegen.

Heterogenität entsteht in diesem kleinen Zyklus durch die Gegenüberstellung kontrastierender Lieder, bzw. eben Songs, die sich in ihrer Andersartigkeit wechselseitig perspektivieren. Die formale Anordnung der Lieder folgt dabei der Intensität der besungenen Formen des Verzehrens: Vom sehnsuchtsvollen Verspeisen der Maulbeeren und des Fenchels zum Blutrausch des Marders, der die Tauben »entkorkt«, zu den Vögeln, die sich über die menschlichen Körper hermachen, bis hin zum metaphorischen Streichholz, das sich (und seine Zeit) brennend verzehrt.
Simple Songs & Lieder des Verzehrens sind Viktoriia Vitrenko gewidmet.
Sven-Ingo Koch

Biografie

Sven Ingo Koch

Sven Ingo Koch

Sven-Ingo Koch (*1974 in Hagen) studierte Komposition, Computerkomposition, Klavierspiel und Musikwissenschaft an der Folkwang-Hochschule Essen, an der University of California San Diego und in Stanford, u.a. bei Nicolaus Huber, Roger Reynolds und Brian Ferneyhough. Zutiefst geprägt von dem aus diesen Studien resultierenden Kalifornien-Aufenthalt (1999-2003), ermöglicht durch Stipendien des DAAD und der Stanford University, wohnt Sven-Ingo Koch nun wieder in Deutschland, die Weiten der Strände und Wüsten Kaliforniens unsäglich vermissend. Prägend wirkten außerdem längere Aufenthalte in Rom (Villa Massimo) und Istanbul. Beeinflusst von den Erfahrungen seiner Reisejahre interessiert sich Sven-Ingo Koch einerseits für ein enges Verbinden, auch Überwinden von Gegensätzlichem, ist aber andererseits nicht minder fasziniert von der Simultanität sich überlagernder Zeitebenen: »Heterochronien«, in denen bei gleichzeitiger Reduktion des Materials verschiedene Ebenen nicht einer Zentralperspektive unterliegen. In Wechselwirkung damit steht die Hinterfragung der Interaktion der Instrumente und die Auslotung ihres Verhältnisses im Spannungsbereich zwischen radikaler Unabhängigkeit und gegenseitiger Bedingtheit.  Dies inspiriert auch die Suche nach einer Melodik, in der mikrotonal melodischemelodisch bedeutet auch: erinnerbareLinien sich unabhängig voneinander entfalten.

www.sven-ingo-koch.de

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Maxim Shalygin: Lieder der Heilgen Narren. Gesangszyklus

Maxim Shalygin: Lieder der Heilgen Narren. Gesangszyklus

Ich schrieb diesen Zyklus, als ich in die Niederlande zog, als eine Art Abschiedserklärung an mein früheres Ich. Ich wollte, dass die Leute es gleichzeitig auf dem Klavier spielen und singen können.
Teile:
1. Glocken (Originaltext)
2. Zärtlicher als die Zärtlichkeit selbst (nach einem Text von Osip Mandelstam, Fragment)
3. Aufruf (Originaltext, Anna Reshetniak gewidmet)
4. Wiegenlied (Originaltext, Vincent van Gogh gewidmet)
5. Lebyadkinas Lied (auf einen Text von Fjodor Dostojewski)
6. Abzählvers (Originaltext, Jim Jarmusch gewidmet)
7. Agnus Dei (Swjatoslaw Lunjow gewidmet)
Maxim Shalygin

Biografie

Maxim Shalygin

Maxim Shalygin

Die Kompositionen von Maxim Shalygin (*1985 in Kamianske, Ukraine) umfassen kammermusikalische, vokale, symphonische und elektroakustische Musik sowie Musik für Theater, Ballett und Film. Der Komponist erweitert die traditionelle Palette der Spieltechniken, wobei er weniger auf »erweiterte Techniken« zurückgreift, sondern die Klänge der Instrumente in ihrer ganzen kongenialen Klangfülle entfalten möchte. Er möchte »eine breite Palette von Techniken mit psychologischer Einsicht und Spiritualität verbinden: Keine akademischen Formeln also, auch keine avantgardistischen Radikalismen, sondern eine in sich geschlossene Skala von Spieltechniken, die nie die Verbindung zur Klanglichkeit kappt und so die Beibehaltung einer durch und durch tonalen Sprache ermöglicht.«

Maxim Shalygin begann im Alter von 16 Jahren ein Kompositionsstudium bei Irina Ivashenko. 2004 absolvierte er eine einjährige Ausbildung bei Boris Tishchenko am Staatlichen N. Rimski-Korsakow-Konservatorium St. Petersburg (RU). Seinen ersten Master-Abschluss erhielt er 2010 an der Nationalen Musikakademie in Kiew (UA). 2011 erhielt er seinen zweiten Master-Abschluss am Königlichen Konservatorium in Den Haag (NL), wo er bei Cornelis de Bondt und Diderik Wagenaar studierte. Er lebt und arbeitet derzeit in den Niederlanden. Shalygin war Composer-in-Residence in Izolyatsia [UA], beim Storioni Festival [NL] und beim Soundsofmusic Festival (NL). Seine Werke werden auf Musikfestivals weltweit aufgeführt.

Biografie

Viktoriia Vitrenko

Viktoriia Vitrenko

Die Sängerin und Dirigentin Viktoriia Vitrenko (*1990 in der Ukraine) schloss 2012 ihr Studium in Dirigieren an der Nationalen Musikakademie der Ukraine bei Viktor Petrychenko ab. 2015 absolvierte sie ihren Bachelor in Chordirigieren bei Denis Rouger an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Ab 2014 studierte sie bei Angelika Luz und Georg Nigl im Masterstudiengang Neue Musik/Gesang.
Seither ist die vielseitige Musikerin sowohl als Dirigentinunter anderem des Kammerorchesters Pforzheim, des Concerto Tübingen, der Stuttgarter Philharmoniker, des Divertimento Ensembles und des Landesjugendensembles Neue Musik Baden-Württemberg als auch als Sängerin mit Auftritten in Musiktheater und zeitgenössischen projekten in zahlreichen Ländern Europas tätig.
Ihre Debut-CD »Scenes« (2019, AUDITE) mit Kammermusik von György Kurtág gewann den Supersonic Pizzicato und wurde für den Preis der deutschen Schallplattenkritik (PdSK-2019) und International Contemporary Music Awards 2020 (ICMA 2020) nominiert.
Der kulturelle und gesellschaftliche Austausch ist Viktoriia Vitrenko ein zentrales Anliegen. Sie sieht sich als Mittlerin für die ukrainische Kultur und setzt sich aktiv für einen Dialog ein. 2017 gründete sie zusammen mit Maria Kalesnikava und Jasmin Schädler die Initiative InterAkt, eine spartenübergreifende Initiative mit dem Fokus auf sozial-politische und technologische Themen.

Biografie

Titus Selge

Titus Selge

Titus Selge (*1966 in Münster) hospitierte und assistierte nach dem Abitur von 1985 bis 1988 am Württembergischen Staatstheater Stuttgart und hatte anschließend ein Festengagement am Theater Basel (Regie-Debüt mit »Le schmürz« von Boris Vian). Ab 1991 war er an verschiedenen Theatern im Bundesgebiet als Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler tätig. 1994 bis 1999 absolvierte er die Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg, wo er nach Kurzfilmen (u. a. »Zita«, 1996) auch seinen Abschlussfilm drehte (»Altöl und Champagner«, 1999).
Titus Selge arbeitet als Regisseur und Drehbuchautor für Film und Fernsehen (Tatort, Polizeiruf 110 u.a.) sowie als Musiktheaterregisseur (u.a. »Geschichte« von Oscar Strasnoy mit den Neuen Vocalsolisten, 2010). Für seinen Film »Unterwerfung« (2018) mit dem Schauspieler Edgar Selge erhielt er 2019 den Romy-Akademiepreis für den besten TV-Film des Jahres.

19 LIMBO
Hintergrund

LimboViktoriia Vitrenko

Limbo Viktoriia Vitrenko
(Redaktion Sven-Ingo Koch)


Maria Kalesnikava gewidmet

 

Wie geht es dir?


Eine einfache Frage, auf die man keine einfache Antwort geben kann. Eine Frage, auf die man keine Antwort hören will.Eine Frage, auf die ich seit über sechs Monaten keine Antwort bekommen habe.

 

Ich lese die Nachrichten von dem »Superstar des Jahres«, dem Coronavirus, von fortwährenden, mich zur Verzweiflungtreibenden Lockdowns, von der zerplatzten Demokratie-Bombe in Belarus, und drehe mich in den politischen Debatten mit jenen Geiern, die von der Weltunruhe profitieren wollen. Auf der vergeblichen Suche nach einer Antwort. Ich fühle mich zerrissen und frage mich, mit welchen Worten, mit welcher Musik dieser Zustand beschrieben werden könnte.

 

Dabei zwingt mich die anhaltende Entwicklung der aktuellen Pandemie, in mein Innerstes hineinzuhören und mich mit mir selber auseinanderzusetzen.

 

Und was finde ich dort? Einerseits ist es eine unglaubliche Ruheso ruhig, dass sie an der Grenze zum Atemstillstand ist –, anderseits eine schreiende Sehnsucht nach Leben und Lebendigkeit. Ich spüre jedoch, dass gerade in diesem grenzhaften Zustand neue Prozesse geboren werden. Belarus. Was für mutige Menschen! Wo finden sie ihre Kräfte, gegenüber einem brutalen Regime stark zu bleiben? Und meine gute Freundin? Inmitten des ganzen Geschehens, seit inzwischen sechs Monaten in Haft. Allein, eingesperrt, aber doch nicht gebrochen.

 

Wie geht es dir?

 

Ich habe einen großen Drang zu schreien, darf aber nichtgerade wurden neue Ausgangs- beschränkungen verhängt, und meine Nachbarn schlagen stets gegen die Wand, wenn ich Musik mache. Und so krieche ich erneut zu meinem E-Klavier, setze die Kopfhörer auf und versuche, mich heranzutasten. Chopin geht nichtzu romantisch, Rachmaninoffzu pompös, Bachschon so viele Tote seit Pandemiebeginn. Ich suche etwas Einfaches, nur wenige Akkorde (kann Neue Musik das überhaupt?) und die Stimme schwebt ungewollt gleich dazu. Aber ganz leise summe ich vor mich hin,damit keiner mich hörtmeine Trostlosigkeit ist aktuell eine der ganzen Kultur.

 

Dabei komme ich mir andererseits vor wie ein Singer-Songwriter, wie eine Kabarettistin odernoch besserwie eine Königin, die die Bühne für sich allein beherrscht. Wie schade, dass es hier niemanden gibt, der mir dabei zusehen könnte. Ist doch ziemlich virtuos, zu spielen und gleichzeitig zu singen. Auch wennoder gerade: weiles so »simpel« ist, kommt es aus der Vielschichtigkeit der Neuen Musik. Ich schaue in mich hinein, in einen Ort zwischen Lebendigkeit irgendwo da draußen und Todesangst hier drinnen, in einen mysteriösen Orteinen Limbo.

 

Wie geht es dir?

 

Und ich versuche, diesen Limbo zu verstehen. Da ist erein Punkt, an dem ich nicht mehr das eine oder andere empfinde. Eher empfinde ich beides gleichzeitig. Lebendig und tot. Und in diesem Moment habe ich das Gefühl, Schrödingers Katze zu sein, die möglicherweise nicht lebt und doch lebt. Als Beobachterin kann ich aber nicht verstehen, in welchem dieser Zustände ich gerade bin.
Eingesperrt in dieser »Zwischenwelt« entsteht die Idee zu einem neuen Projekt.