Kilian Herold

Kilian Herold

Ensemble Musikfabrik

Ensemble Musikfabrik

Seit seiner Gründung 1990 zählt das Ensemble Musikfabrik zu den führenden Klangkörpern der zeitgenössischen Musik. Dem Anspruch des eigenen Namens folgend, ist das Ensemble Musikfabrik in besonderem Maße der künstlerischen Innovation verpflichtet. Neue, unbekannte, in ihrer medialen Form ungewöhnliche und oft erst eigens in Auftrag gegebene Werke sind sein eigentliches Produktionsfeld. Die Ergebnisse dieser häufig in enger Kooperation mit den Komponisten geleisteten Arbeit präsentiert das in Köln beheimatete internationale Solistenensemble in jährlich bis zu 80 Konzerten im In- und Ausland, auf Festivals, in der eigenen Abonnementreihe »Musikfabrik im WDR« und in regelmäßigen Audioproduktionen für den Rundfunk und den CD-Markt.
Ensemble Musikfabrik wird vom Land Nordrhein-Westfalen unterstützt.

5 Things That Really Matter

5 Things That Really Matter

»5 Things That Really Matter«, komponiert für großes Ensemble und Elektronik, ist das Ergebnis einer Erkundung verschiedener möglicher Beziehungen zwischen dem Komponisten, den Ausführenden, der Notation und dem Klang. Im ersten Teil des Stücks spielen die Musiker eine traditionell geschriebene Partitur und behandeln das Ensemble als ein großes Instrument, das aus vielen einzelnen Körpern besteht. Im zweiten Teil schaffen die Interpreten lebende Skulpturen, indem sie stille »Selfies« mit Instrumenten machen, die als Requisiten behandelt werden. Im dritten Teil werden die Interpreten zu Mitkomponistensie werden aufgefordert, die vom Komponisten bereitgestellten Samples durch ihre Sensibilität und ihre Instrumente zu »übersetzen«.
Mikołaj Laskowski

Mikołaj Laskowski

Der Berlin lebende Komponist Mikołaj Laskowski (*1988 in Polen) interessiert sich für die Verwischung der Grenzen zwischen Ausführenden und Zuhörern, Distanz und Intimität, Kitsch und Raffinesse, Ironie und Ernsthaftigkeit.

Er kombiniert verschiedene Inspirationen wie Science Fiction, New Age, ASMR und Plunderphonics und kreiert Konzertmusik, partizipative Performances und Online-Stücke.

Acht Arten zu atmen

Acht Arten zu atmen

In den »Acht Arten zu Atmen« laufen Klänge im Kreisvom Menschen über Technik und Instrument zum Menschen zurück. Meine ersten Ideen entstehen nicht schriftlich, sondern so nah am Körper wie möglichgesungen. Jede spontane menschliche Äußerung bekommt die Chance, Teil der musikalischen Geschichte zu werdendie Klänge sollen ein unmittelbares Abbild unserer Umwelt sein, es wird nicht nach hohen ästhetischen Kriterien aussortiert und optimiert. Die tönenden Fundstücke sind oft humorvoll, merkwürdig und voll von außermusikalischen Assoziationen, die gar nicht verbal benannt werden müssen. Mit diversen Spielzeugen und Klangobjekten versuche ich die Klänge nachzubilden, sie so einem Akkordeon oder einer Klarinette anzunähern. Die Interpreten werden früh in den Entstehungsprozess eingebundenich konfrontiere sie mit der unlösbaren Aufgabe, meine Spielzeugklänge zu imitieren. Aus ihren Alternativvorschlägen werden Samples. Durch deren Transkription entsteht die erste schriftliche Ebene der Komposition, inspiriert davon lässt sich die Partitur frei weiterspinnen. Im »Querschnitt« manifestiert sich die Gleichzeitigkeit all dieser musikalischen Schichten. Doch die Klänge unterliegen keiner Hierarchie, es gibt keinen »Fortschritt«. Die Form reflektiert nicht didaktisch die Evolution von Klängen, sondern jede Miniatur kombiniert die unterschiedlichen Entwicklungsstadien nach Lust und Laune. Durch das gelegentliche »Mitsingen« der Musiker schließt sich der Kreis: Sie empfinden den grundlegenden Spannungsverlauf nachaber nicht wie von mir zu Beginn imaginiert, sondern auf ihre ganz persönliche Weise.
Benjamin Scheuer

Benjamin Scheuer

In Benjamin Scheuers Musik dreht sich alles um direkt erfahrbare Sinnlichkeit und Humor. Freude am Musizieren und die Suche nach ungewöhnlichen Klängen sind ihm ein ständiger Antriebdabei tun sich durchaus einmal Abgründe auf, es darf aber auch gerne gelacht werden. Im Alltag gefundene Klänge werden als Objekte direkt auf der Bühne präsentiert oder als Aufnahmen zugespielt: Hier gilt stets Scheuers Ansatz der »Live-Elektrik«elektronische Klänge werden immer mit den einfachsten und billigst möglichen Mitteln erzeugt. Denn nicht die Technik, sondern der Mensch mit seiner Stimme, in seiner Individualität und Fehlbarkeit steht im Zentrum seines Interesses.

Benjamin Scheuer (*1987 in Henstedt-Ulzburg) studierte in Hamburg und Karlsruhe bei Dieter Mack, Fredrik Schwenk und Wolfgang Rihm. In Freiburg arbeitet er an einem Dissertationsprojekt über Georges Aperghis‘ théâtre musical. Seine Kompositionen werden in diversen Ländern und von renommierten Ensembles aufgeführt. Unter anderem erklang »Zeitraum« (2012) für 600 Spieler im Fußballstadion Hannover und mit den seit 2012 durchgeführten »Notfallkonzerten« leistet er zusammen mit dem Orchester im Treppenhaus einen bescheidenen Beitrag zur Rettung der Welt mit Musik von heute. In seinem Zyklus »Impulsive Lieder« (2016) lotet er auf humorvolle Weise die Grenzen des vokalen Ausdrucks aus.

Für seine Arbeit erhielt er diverse Preise und Arbeitsstipendien. Als Gründungsmitglied des Musiker ohne Grenzen e.V. reiste er regelmäßig nach Ecuador, wo er benachteiligten Jugendlichen Musikunterricht gab.

www.benjaminscheuer.de

Abstraction to the Point of

Abstraction to the Point of

Das Stück für Oboe und Ensemble ist in drei Sätze unterteilt. Der erste Satz, claustrofobico, besteht aus einer Reihe von 71 Fragmenten, die unerbittlich aufeinander folgen, immer geführt von der Stimme der Oboe ohne Ausgang, auf der Suche nach einer Form, die gleichzeitig als kontinuierlich und diskret wahrgenommen werden kann. Der zweite Satz, geometrico e freddo, ist auf und um den Klang einiger Bichorde der Oboe herum aufgebaut. Diese Klänge, zart und rau und metallisch zugleich, stehen im Zentrum langer Akkordgruppen, die fast wie eine Verstärkung derselben Bichorde in verschiedene Richtungen wirken. Im dritten Satz, in equilibrio sulle punte, wird das vom Schlagzeug geführte rhythmische Ostinato vom Anfang bis zum Ende beibehalten. Die Oboe behält ihre Funktion als akkordisches »Zentrum«, aber in der Perspektive eines unerbittlichen und zwanghaften Flusses, bis eine plötzliche Beschleunigung auftritt, die die Virtuosität des Solisten entfesselt.
Francesco Ciurlo

Francesco Ciurlo

Francesco Ciurlo (*1987 in Mailand) studierte Komposition in Mailand bei Gabriele Manca und in Stuttgart bei Marco Stroppa. Im März 2022 wird eine vom Divertimento Ensemble aufgenommene monografische CD beim Label Stradivarius erscheinen. Der Schwerpunkt seiner neueren kompositorischen Praxis liegt in der Suche nach einer Form, die sich aus der Ablehnung der horizontalen und folglich narrativen oder sogar dramaturgischen Auffassung von Zeit ergibt. Sein Interesse an anti-narrativen und anti-dramaturgischen Formen entspringt seiner Faszination für Alte Musik und für bestimmte außermusikalische Referenzen wie die Filme von Marco Ferreri, die Romane von Roberto Bolaño und die Theaterstücke von Sarah Kane sowie für die bildende Kunst, insbesondere für die Farbkarten von Gerhard Richter, dessen Technik der Organisation von Farben einen großen Einfluss auf die strukturelle Organisation seiner Werke hatte. Das Ziel dieses Ansatzes ist es, eine Art Blick zu erreichen, wie bei einem Gemälde oder einer Skulptur aus einer relativen Entfernung. Der horizontale Zeitfluss hat nicht den Charakter einer Entwicklung, Entfaltung oder Verwandlung, sondern ermöglicht es, verschiedene Details ein und desselben Anblicks zu erfassen, wie ein Stoff, der immer aus demselben Material besteht, aber dennoch elastisch ist und sich verformen kann.

Preisträger­konzert

6
03.02.
20:00
Theaterhaus, T1
Kilian Herold Klarinette Teodoro Anzellotti Akkordeon Peter Veale Oboe Ensemble Musikfabrik

Mikołaj Laskowski: 5 Things That Really Matter

für Ensemble (2018)

Benjamin Scheuer: Acht Arten zu atmen

für Klarinette, Akkordeon und Samples
Doppel / leichtfüßig / Stocherndes Lied / Querschnitt / Krummer Kanon / bel canto / Orgelpunkt / Geschnatter (2020)

Francesco Ciurlo: Abstraction to the Point of

für Oboe und Ensemble (2020) ᵁᴬ

Im Jahr 2021 erhielten drei denkbar unterschiedliche Komponisten den Kompositionspreis der Stadt Stuttgart, der traditionell beim darauffolgenden ECLAT verliehen wird. Die »tönenden Fundstücke« des ersten Preisträgers Benjamin Scheuer, der mit diversen Spielzeugen und Klangobjekten Klänge nachzubilden versucht, sind dabei oft humorvoll, merkwürdig und voll von außermusikalischen Assoziationen. Mikołaj Laskowski interessiert sich für die Verwischung der Grenzen zwischen Ausführenden und Zuhörern, Distanz und Intimität, Kitsch und Raffinesse, Ironie und Ernsthaftigkeit. In seinem Werk erkundet er die unterschiedlichen möglichen Beziehungen zwischen dem Komponisten, den Ausführenden, der Notation und dem Klang. Francesco Ciurlo bezieht sich in seiner Suche nach Formen, die sich aus einer anti-narrativen und anti-dramaturgischen Auffassung von Zeit ergeben, auf Filme von Marco Ferreri, Romane von Roberto Bolaño oder Theaterstücke von Sarah Kane. Und vor allem die Farbkarten von Gerhard Richter, dessen Technik der Organisation von Farben, hatten einen großen Einfluss auf die strukturelle Organisation seiner Werke.

 

Sendung SWR2 JetztMusik
3. März 2022 / 21:0522:00 Uhr