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Duo Weirich Löffler

Duo Weirich Löffler

Hannah Weirich war Jungstudentin bei Prof. Federico Agostini, studierte 19992004 bei Prof. Ingolf Turban an der HfM Stuttgart und besuchte Meisterkurse u. a. bei Franco Gulli, Yfrah Neaman, Igor Ozim und Dénes Zsigmondy. Seit 1992 konzertiert sie weltweit mit ihrem Klaviertrio Trio Fridegk, mit dem sie mehrere nationale und internationale Preise gewann. 2005 wurde sie festes Mitglied im Ensemble Musikfabrik. Sie konzertierte als Solistin u. a. mit den Nürnberger Symphonikern und der Staatsphilharmonie Krakau, arbeitete mit Ensemble Resonanz, ascolta, den Neuen Vocalsolisten oder der Jazzformation Shreefpunk und war Dozentin u.a. beim Bundesjugendorchester, im Studio Musikfabrik und von 2014 bis 2017 im Rahmen des Masterstudiengangs Neue Musik an der Folkwang Universität der Künste Essen. 2004 erhielt sie ein Stipendium der Rudolf-Eberle-Stiftung mit einjährigem Aufenthalt an der Akademie Schloss Solitude, 2011 wurde sie mit dem Förderpreis des Landes NRW ausgezeichnet.

 

Ulrich Löffler absolvierte sein Klavierstudium an der Folkwang Hochschule Essen. Als Solist konzertierte er u.a. mit den Sinfonieorchestern des Bayerischen Rundfunks und des SWR und war Gast bei internationalen Festivals wie den Salzburger Festspielen, dem Huddersfield Contemporary Music Festival und Ars Musica Brüssel. Löffler ist Preisträger der Internationalen Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt. Als Gründungsmitglied spielt er seit 1990 mit dem Ensemble Musikfabrik auf allen internationalen Festivals. Als Dozent unterrichtete Ulrich Löffler 1998 bis 2003 an der Folkwang Universität der Künste Essen im Rahmen des Masterstudiengangs Neue Musik. Neben seinem Engagement für die komponierte zeitgenössische Musik tritt er auch in Improvisationsprojekten auf und gibt Konzerte mit Rock- und Jazzbands.

Mixed Metaphors

Mixed Metaphors

Als Hannah und Uli mich baten, ein Stück für Violine und Minimoog zu schreiben, war meine erste Reaktion: Ja, natürlich schreibe ich für euch. Mein nächster Gedanke war: Warte, es ist unmöglich, diese beiden alten Holzkisten unter einen Hut zu bringen, eine mit Griffbrett und Saiten, die andere gefüllt mit alten Schaltkreisen und Oszillatoren. Wie können diese beiden Instrumente, die für sehr unterschiedliche Musiken und mit sehr unterschiedlichen Klangerzeugungsmechanismen gebaut wurden, in einen sinnvollen Dialog treten?

Erst beim ersten Workshop, als ich Uli und Hannah zusammen spielen hörte, wurde mir klar, wie eng diese Instrumente in Bezug auf ihre akustischen Eigenschaften miteinander verwandt sind. Die konzeptionelle Distanz zwischen den Instrumenten wurde durch das Spielen nahezu aufgehoben. So ergab sich die Möglichkeit, mit diesem Unterschied von Nähe und Distanz zu arbeiten und ein Stück zu machen, in dem die Instrumente danach streben, die Lücke zwischen sich zu schließen. Die Sensibilität der Musiker, ihre Fähigkeit, einander zuzuhören und klangliche Qualitäten zwischen ihnen zu übertragen, spielen bei diesem Spiel natürlich eine wichtige Rolle; es gab auch kompositorische Entscheidungen, die den Austausch zwischen den Instrumenten erleichtern sollten. Ich beschloss, die Oszillatoren im Minimoog und die Violinsaiten auf die gleiche Weise zu behandeln, ein Rahmen, der die Spielregeln und die musikalischen Ideen im Stück vorgab: mikrotonale Fluktuationen, Glissandi, feste Parallelbewegungen, Imitationen melodischer Konturen usw. Der Druck des Bogens ähnelt auch dem »Druck« der Geräuschgeneratoren im Minimoog, und die Filter des Synthesizers beziehen sich auf die klanglichen Transformationen der verschiedenen Bogenbewegungen auf der Violine. Die Musik strebt immer nach diesen Berührungspunkten.

Zu dieser Mischung fügte ich Fragmente von Modalität hinzu, um mit einer weiteren Reihe von Unterschieden zu arbeiten: zwischen dem mikrotonalen Kontinuum und festen diatonischen Intervallen. Dieser Abstand wird jedoch immer durch das Zusammenspiel zwischen den beiden Instrumenten gemessen. Als ich anfing, dieses Stück zu schreiben, dachte ich an den Oszillator als Metapher für die Geigensaite. Aber ich sehe, dass es genauso gut umgekehrt sein könnte. Und jetzt, wo das Stück fertig ist, wird mir klar, dass auch der umgekehrte Ansatz möglich gewesen wäre: Die Instrumente hätten danach streben können, ihre Individualität zu maximieren, den Abstand zwischen ihnen zu vergrößern. Aber in dieser Musik geht es um das Zusammenführen, nicht um das Auseinanderreißen.
Eivind Buene

Eivind Buene

Eivind Buene (*1973 in Oslo) lebt und arbeitet in Oslo und schreibt für eine Vielzahl von europäischen Ensembles und Orchestern. Er arbeitet auch häufig mit improvisierenden Musikern zusammen und entwickelt Musik im Grenzbereich zwischen klassischer Notation und Improvisation. Buene hat ein ausgeprägtes Interesse an Texten und hat neben seiner musikalischen Arbeit mehrere Romane und Essays veröffentlicht. Derzeit unterrichtet er Komposition an der Norwegischen Musikhochschule.

Die Zähmung der Stille

Die Zähmung der Stille

Die Studie beschäftigt sich ausschließlich mit der Technik der Ring Modulation, die zwei eingehende Spannungen miteinander multipliziert und am Ausgang daraus die Differenz- und Summationstöne bildet.

E-Geige und E-Piano werden jeweils mit demselben Oszillator des Behringer 2600 ringmoduliert.

In gewissem Sinne ist das Stück eine Allusion auf das Trio 1977 von Johannes Fritsch, das mit Posaune, Bratsche und Synthesizer besetzt ist.
Oxana Omelchuk

Oxana Omelchuk

Oxana Omelchuk (*1975 in Belarus) studierte bei Johannes Fritsch und Michael Beil an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Neben ihrer kompositorischen Tätigkeiten tritt sie als Musikerin in verschiedenen Formationen auf, wobei sich ihre Bandbreite als ausübende Musikerin in ihren Werken widerspiegelt. In ihrem Zugriff auf vorhandenes Material unterscheidet die Komponistin nicht zwischen U und E oder High and Low. In ihren Kompositionen möchte sie nicht primär Neues erschaffen, sondern vielmehr Vorhandenes, Wiedergefundenes ins Heute transformieren.

Seit einigen Jahren beschäftigt sie sich auch in ihrem kompositorischen Schaffen intensiv mit modularen Synthesizern, was für sie bedeutet, Werke aus experimentellen Versuchsanordnungen und improvisatorischen Prozessen heraus zu entwickeln.

Seit 2020 ist Oxana Omelchuk der Teil des Kollektivs Polar Publik, einer Gemeinschaft von Künstler:innen aus den Genres Tanz, Theater, Neue Musik und Bildende Kunst, die sich in ihren transdisziplinären Projekten an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft aktuellen Situationen widmen, in denen die Phänomene Macht und Ohnmacht explizit werden.

Fail again

Fail again

Vor 12 Jahren habe ich unzählige Nächte in einem Studio des IRCAM verbracht und an einem Stück für Cello und Live-Elektronik gearbeitet. So entstand Fail, ein Stück, das mein Leben in Paris widerspiegelte und das von Becketts Zitat inspiriert war: »Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.« Das Komponieren war ein Abenteuer, ja eine Herausforderung, auch die Uraufführung war ein Abenteuer. Und so war auch seine (hoffentlich vorerst!) letzte Aufführung : hier beim ECLAT-Festival im Jahr 2019. Aber das ist eine andere Geschichte. Jetzt, mehr als ein Jahrzehnt später, haben mich das Duo WeirichLöffler, liebe Freunde und inspirierende Musiker, eingeladen, ein Stück für sie zu schreiben, für ihre aufregende Reihe Zurück in der Zukunft. Das war ein guter Moment, um einen lang ersehnten inneren Dialog mit Fail zu beginnen. Auch hier bauen sich nach dem »Crash- und Reboot-System« immer wieder neue Episoden auf, die sich meist in nur ein oder zwei kleine Motive hineinsteigern und daraus wahre Kosmen hervorholen.
Milica Djordević

Milica Djordjević

Milica Djordjević (*1984) begann ihre Kompositionsstudien in Belgrad, wo sie sich auch schon mit elektronischer Musik beschäftigte, ging danach nach Strasbourg und ans Pariser IRCAM, bevor sie schließlich von 2011 bis 2013 ihr postgraduales Studium in Berlin an der Hochschule für Musik Hanns Eisler abschloss. Ihr bereits umfangreiches Schaffen, das von führenden Solisten und Klangkörpern aufgeführt wird, umfasst Stücke für Soloinstrumente, Kammermusikwerke in verschiedenen Besetzungen vom instrumentalen Duo bis zum Doppelquartett, Vokalwerke und groß besetzte Orchesterkompositionen. Eine wichtige Rolle in ihrer Arbeit haben Naturwissenschaften, Literatur und Kunst.

 

Milica Djordjević besitzt Mut, Musik reine Energie sein zu lassen. Und diese Musik ist kraftvoll. Leidenschaftlich. Dynamisch. Verstörend. Brutal. Roh. Physisch. Vielseitig, reich, manchmal zerbrechlich, oft explosiv aufgeladen. Und sehr ehrlich. Wahr. Und darum geht es: nichts KünstlichesEnergie und Substanz direkt. »Diese Musik springt einem direkt ins Gesicht.« Für ihre Werke hat Milica Djordjević zahlreiche hochrangige Preise und Auszeichnungen erhalten, darunter den Claudio Abbado Komponistenpreis der Berliner Philharmoniker (2020), den Komponistenpreis der Ernst von Siemens-Musikstiftung (2016) und den Belmont-Preis für zeitgenössische Musik (2015). Ihre erste monografische CD erhielt 2017 den Preis der deutschen Schallplattenkritik.

www.milicadjordjevic.com

Microstories about tenderness

Microstories about tenderness

»Microstories about tenderness« sind neun Miniaturen für E-Violine und Synthesizer Minimoog. Bei der Suche nach Synthesizerklängen ist mir aufgefallen, dass die meisten Klänge sehr sanft sind. Deshalb habe ich beschlossen, diese Mikrogeschichten als sanft oder zart zu bezeichnen. Sie haben Titel, die meine persönlichen Assoziationen widerspiegeln: 1) Zartes Grau; 2) Sanfter Regen; 3) Zarter Kuss des Windes; 4) Leichter Wirbelwind; 5) Zärtliche Berührungen; 6) Zarter Popsong; 7) Sanfte Flüge; 8) Sanfte Diskothek; 9) Sanfte Passacaglia. Zwischen den Miniaturen wird es kleine Intermezzi geben: Ich werde zeichnen und das Publikum wird Texte des Schriftstellers Alexander Estis zum Thema Zärtlichkeit hören.
Dariya Maminova

Dariya Maminova

Dariya Maminova (*1988 in Sankt Petersburg) studierte Klavier und Komposition am Staatlichen Konservatorium St. Petersburg sowie Komposition an der Hochschule für Musik Detmold und der HfMT Köln, wo sie derzeit zusätzlich den Studiengang elektronische Komposition absolviert. Sie arbeitet in den Bereichen zeitgenössische instrumentale und elektronische Komposition, Improvisation und Musiktheater. Ein besonderes Interesse stellt für Dariya Maminova die Synthese von experimenteller zeitgenössischer Musik mit populärer Musik und mit der Musik anderer Kulturen dar. Sie übt eine internationale Konzerttätigkeit aus. Im Jahr 2020 wurde sie mit dem Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendium der Stadt Köln ausgezeichnet.

tanzen!

tanzen!

Im wunderbaren Wim Wenders-Film über Pina Bausch heißt es »Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren!«ich stimme, gerade in diesen finsteren Zeiten, aus ganzem Herzen zu! Wir müssen tanzen! Ich bin leider ein miserabler Tänzer. Aber ich mache es trotzdem, heimlich. Mit der Tochter, wenn der sonntägliche Tatort-Jingle ertönt, alleine im Arbeitszimmer, wenn mich die Rosenkavaliersuite in den Wahnsinn treibt. Im Auto sitzend bin ich ganz allein die vier kleinen Schwäne. Außerdem bewundere ich Tänzer*innen! Wie mit bloßer Muskelspannung oder einem Blick ein unglaublicher Ausdruck erzielt werden kann, toll! Deswegen ist das Stück ein Tanztheater auf kleinem Raum! Immer ähnliche Figuren springen hin und her, mal elegant, mal krawallig. Reizvoll an diesen irren Instrumenten, in die ich mich schockverliebt habe, war für mich nicht nur ihr Klang. Auch zu bedenken, dass mal eine Hand auf diesem Instrument spielen wird, während der Fuß etwas macht und die andere Hand schon wieder anderswo unterwegs ist… das habe ich immer vor mir gesehen und gedacht: eigentlich ist alles Tanz! Den beiden Tänzern Hannah Weirich und Ulrich Löffler ist das Stück gewidmet!
Gordon Kampe

Gordon Kampe

Gordon Kampe (*1976 in Herne) studierte nach einer Ausbildung zum Elektriker Komposition bei Hans-Joachim Hespos, Adriana Hölszky und Nicolaus A. Huber sowie Musik- und Geschichtswissenschaften in Bochum. Er wurde mehrfach ausgezeichnet u.a. mit dem Kompositionspreis der Stadt Stuttgarter (2007 und 2011), dem Komponistenpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung und der Rom-Preis. Seit 2017 ist er Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt im Bereich der Vokalmusik und des Musiktheaters. Die Genres reichen hier von experimentellen Formen und Stückentwicklungen, Live-Hörspielen über Musiktheater für Kinder bis hin zur Oper. Gordon Kampe mag Töne, Tanz und Lieder.

Zurück in der Zukunft

14
05.02.
18:00
Theaterhaus, T3
Duo Weirich Löffler Hannah Weirich Violine, E-Violine Ulrich Löffler Analoge Keyboards (Minimoog, Fender Rhodes Piano, Behringer 2600 Synthesizer, Yamaha YC-45D Orgel, Hohner Clavinet, Philicorda, Hohner String Melody)

Eivind Buene: Mixed Metaphors

für Violine und Minimoog (2019)

Oxana Omelchuk: Die Zähmung der Stille

für E-Violine, Fender Rhodes Piano, Behringer 2600 Synthesizer (2022) ᵁᴬ

Milica Djordjević: Fail again

für E-Geige und E-Orgel (2022) ᵁᴬ

Dariya Maminova: Microstories about tenderness

9 Miniaturen für E-Violine und Minimoog (2021)

Gordon Kampe: tanzen!

für E-Violine, Hohner Clavinet, Philicorda-Orgel und Hohner String Melody (2021)

Nach einem Nachmittag voller Eindringlichkeit und Symbolkraft leitet das retro-futuristische Projekt »Zurück in die Zukunft« in ein fast spielerisches Samstagabendprogramm des Festivals über. Auf der Bühne des ungewöhnlichen Duos aus E-Violine und analogen Keyboards breitet sich dabei vor unseren Augen ein beeindruckendes Arsenal an historischen Instrumenten aus. Vor dem Hintergrund seiner privaten Sammlung analoger E-Pianos, Synthesizer und Elektroorgeln aus den 1970er und 80er Jahren vergab der Pianist Ulrich Löffler zusammen mit der Violinistin Hannah Weirich mehrere Kompositionsaufträge, um sich »der Erneuerung und Erweiterung des Repertoires für eine der Königsdisziplinen der Kammermusik zu verschreiben: dem Duo für Violine und Tasteninstrument.«

 

Gar nicht nostalgisch, wollen die beiden vielmehr gemeinsam mit den Komponist:innen neue Spieltechniken entwickeln und Instrumentenkombinationen erproben. Dabei appellieren sie an den »innovativen Geist der gegenwärtigen Komponistengeneration«haben doch die meisten Digital Natives den direkten und haptischen Zugriff auf analoge Schaltkreise, durch die während der Klangerzeugung alle Parameter manuell geregelt werden können, nie erlebt.

 

Sendung SWR2 JetztMusik
17. März 2022 / 21:0522:00 Uhr

Die Werke von Milica Djordjević, Dariya Maminova und Gordon Kampe sind Kompositionsaufträge von Hannah Weirich und Ulrich Löffler, gefördert durch die Ernst von Siemens Musikstiftung

14 Zurück in der Zukunft
Gespräch

Hannah Weirich und Ulrich Löffler im Gespräch mit Leonie Reineke

LR
Hannah und Ulrich, Ihr habt Euer Duo-Projekt »Zurück in der Zukunft« genannt. Ich behaupte mal, dieser Titel weckt bei nicht wenigen Menschen Assoziationen zu der fast gleichnamigen Science-Fiction-Filmtrilogie aus den 1980er Jahren: »Zurück in die Zukunft«. Das war doch sicherlich Absicht, oder?

HW
Natürlich ist das Absicht, denn auch die Projektidee weist ebenso zurück wie nach vorne: Wir spielen neue Kompositionen auf »alten« Instrumenten. Und in diesem Fall sind es neben der Geige verschiedene analoge E-Pianos, Synthesizer und Elektroorgeln aus den 1970er und 80er Jahren …

LR
… elektronische Musikinstrumente, denen heute vielleicht ein nostalgischer Charme anhaftet, die aber zur Zeit ihrer Entstehung noch für das Potenzial des »Nie-Gehörten« standen.

HW
Genau, und das Nie-Gehörte bringen wir ja jetzt wieder auf die Bühnemit eigens für unsere Besetzung und unsere Klangerzeuger entstandenen Stücken von fünf Komponistinnen und Komponisten.

UL
Mir ist es vor allem ein Anliegen, Instrumente wie zum Beispiel das Hohner Clavinet, die Philicorda oder auch das Fender Rhodes Piano auf eine klassische Konzertbühne zu bringen. Denn dort hat man diese Geräte bisher kaum gesehen und gehört. Man kennt sie eher aus anderen Genres wie Pop, Rock, Jazz oder Blues. Mir selbst geht es allerdings nochmal anders: Wenn ich einen Akkord auf dem Rhodes Piano anschlage, denke ich nicht automatisch an einen Song von Supertramp oder ähnliches. Sondern für mich hat das Instrument einen sehr individuellen Klang. Es ist ein lebendiges, fleischiges, körperliches Klang- und Grifferlebnis beim Spielen. Das könnte natürlich auch damit zu tun haben, dass ich die Instrumente schon seit Jahrzehnten spiele. Damals musste ich viele von ihnen verkaufen, da ich mir einen Konzertflügel anschaffen wollte und Geld brauchte. Ich erinnere mich, wie mich ein Freund ermahnte: »Den Minimoog darfst Du nicht verkaufen!« Und ihn habe ich tatsächlich als einziges Instrument behalten.
Später habe ich mir dann all die anderen Instrumente nach und nach wieder angeschafft. Viele Leute um mich herum fragten: »Was willst Du mit dem alten Kram?« Aber für mich war die Entscheidung klar: Die Instrumente klingen tollnicht wie irgendetwas, das man einfach mit dem Computer nachstellen oder unkompliziert samplen kann. Es sind wirklich eigenständige Instrumente.

LR
Die Komponistinnen und Komponisten in Eurem Programm kommen aus unterschiedlichen Generationen. Schlägt sich das in irgendeiner Form in den Stücken nieder? Merkt man, wer von ihnen einen vielleicht unmittelbareren Bezug zu den Instrumenten hat; einfach durch die größere zeitliche Nähe zu ihrer Entstehungsphase?

HW
Da bin ich nicht sicher, denn alle fünf haben sich sehr intensiv mit den Instrumenten auseinandergesetzt. Dariya Maminova ist mit ihrem Geburtsjahrgang 1988 die jüngste Komponistin im Programm. Für sie mag der Minimoog anfangs am wenigsten vertraut gewesen sein. Trotzdem hat sie ganz wunderbare Klänge auf dem Instrument gefunden.
Witzig war allerdings, dass sie für die Kompositionsphase eine Software-Emulation verwendet und deshalb nicht daran gedacht hat, dass es immer einige Zeit dauert, bis der Minimoog in eine neue Einstellung gekommen ist. Es hat sich also erst beim Proben gezeigt, dass bestimmte Wechsel nicht so schnell stattfinden können wie erhofft. Gleichzeitig ist es aber besonders spannend zu sehen, mit welcher Frische sie an das Instrument herangegangen ist.

UL
Dariya gehört auch jener Generation an, die die Klangwelt der alten analogen Geräte eher aus dem Internet kennt als aus dem richtigen Leben. Umso schöner sind dann die Momente, in denen ich ihr zum Beispiel ein Band-Echo vorgeführt habe. Die Faszination stand ihr unmittelbar ins Gesicht geschrieben. Wie sie das Band beim Laufen mit großen Augen verfolgt hat, hat mich daran erinnert wie ich als Kind bestimmte Dinge zum ersten Mal gesehen und bestaunt habe.
Das Besondere an all diesen Maschinen ist, dass sie so lebendig sind. Milica Djordjević beispielsweise arbeitet in ihrem Stück mit einer Orgel, der Yamaha YC-45D. Das ist ein zweimanualiges Instrument von 1972 mit irrsinnig innovativen Funktionen: Es gibt einen Ribbon Controller mit dem man Glissandi spielen kann. Die Tastatur hat eine Anschlagsdynamik und es lässt sich sogar Vibrato spielen, wenn man den Finger auf der Taste bewegt.

LR
Ein nochmal anderes, besonderes Instrument kommt auch in dem Stück von Oxana Omelchuk zum Einsatz, oder?

UL
Ja, das ist ein analoger Nachbau eines alten Synthesizers, den es seit fünfzig Jahren nicht mehr gibt: der ARP 2600. Das ist ein halbanaloger Kasten, den Oxananeben dem Fender Rhodesin ihrem Stück einsetzt. Die Besonderheit ist hier, dass Hannah und ich unsere beiden Instrumente per Kabel mit diesem Synthesizer verbinden. Rhodes und E-Geige laufen also über das Gerät, das uns etliche zusätzliche Modulations- und Filtermöglichkeiten bietet. Und was mir in der Musik von Oxana besonders gefällt, ist, dass sie keine Angst vor populär klingenden Sounds hat. Was sie für die Instrumente erfindet, klingt einerseits wie nie gehört und andererseits doch irgendwie bekannt. Und diese musikalischen Zwischenzustände finde ich unglaublich interessant und packend.

LR
Bei all den alten elektronischen Instrumenten stellt sich mir die Frage, wie eigentlich die Geige dort hineinpasst? Ihr spielt ja auch oft im Duo mit Geige und Klavier, aber da arbeitet ihr mit völlig anderen klanglichen Mischverhältnissen und auch mit anderem Repertoire.

HW
Das stimmt, Geige und elektronische Tasteninstrumente, das ist eine andere Kombination. Das erste Stück in dieser Richtung hatte damals Eivind Buene für uns komponiertnoch bevor uns selbst klar war, dass wir ein ganzes Projekt daraus machen würden. Zu der Zeit besaß ich noch keine E-Geige, deshalb hat Eivind sein Stück für Minimoog und herkömmliche Geige geschrieben. Ich erinnere mich, dass ich Bedenken hatte, ob sich das überhaupt mischen würde. Aber es hat gut funktioniert.
Irgendwann habe ich mir dann eine fünfsaitige E-Geige angeschafft und die nächsten Stücke, die im laufe der Zeit entstanden sindvon Gordon, Dariya und Milicasind alle für E-Geige geschrieben. Denn auch für die Komponistinnen und Komponisten war das Instrument zum Teil Neuland und sie wollten sich unbedingt damit beschäftigen. Inzwischen habe ich außerdem einen ganzen Fuhrpark an Effektgeräten angesammelt, so dass auch meine klanglichen Ausdrucksmöglichkeiten kontinuierlich mehr werden.

UL
Das stimmt, im Grunde besitzt Hannah inzwischen alles, was ein Gitarrist in einer Band so braucht.

LR
Wenn man allerdings bedenkt, dass Ihr nur als Duo auftretet, dann ist das doch ein irrsinnig großer Transportaufwandim Verhältnis zu dieser kleinstmöglichen Kammermusikbesetzung. Blöde Journalistenfrage: Lohnt sich das?

HW
Ganz klar: Ja! Außerdem gibt dieser Aufbau mit all den Geräten und historischen Instrumenten ein wunderbares Bühnenbild her.

UL
Was ist das bitte für eine Frage?!
Natürlich lohnt sich das.