Margherita Berlanda
So. 08.02., 14:00 Uhr
© Aaron Giordani
Margherita Berlanda–im Gespräch mit Alexey Munipov
Azione Improvvisa »EOCENE«
Azione Improvvisa »Über Roboter und andere Menschen« (KinderECLAT)
Könntest du uns das EOCENE-Konzert kurz vorstellen?
Deconstructing Humanity ist ein Konzert unseres Ensembles Azione Improvvisa, das verschiedene Stücke in einen Dialog bringt–vier Werke mit sehr unterschiedlicher Ästhetik von Komponisten aus Italien, die zwischen Italien und beispielsweise Deutschland oder den Niederlanden arbeiten. Das war auch der Grund, warum wir diese Komponisten ausgewählt haben: Wir hatten das Gefühl, dass ihre Ästhetik miteinander kommunizieren könnte–unterschiedlich, aber in der Lage, einen starken Dialog zu schaffen.
Unsere Besetzung unterscheidet sich auch stark von den meisten Ensembles für zeitgenössische Musik: Es gibt eine Akkordeonistin (Margherita Berlanda), einen Theorbisten (Andrea Antonel), einen E-Gitarristen (Pierpaolo Dinapoli) und einen Elektroniker (Davide Bardi).
Das Projekt entstand aus der Idee, natürliche Elemente oder eine Reflexion über die heutige Welt mit zeitgenössischer Musik zu verbinden–weil wir das gerade jetzt für echt wichtig halten. Bei der Konzeption des Projekts haben wir uns stark von Naturphänomenen inspirieren lassen. In diesem Fall denken wir in mehreren Komplexitätsebenen.
Eine Ebene ist die Musik selbst: Musik für dieses spezielle Ensemble und die Erforschung ihrer Möglichkeiten–ein wenig über die Grenzen des »normalen« Komponierens für eine solche Besetzung hinausgehend. Das bedeutet, viel mit akustischen Klängen zu experimentieren, aber auch mit den Möglichkeiten der Elektronik.
Andererseits haben wir die Komponisten gebeten, von einer Reflexion über das Eozän auszugehen–und was ist das Eozän? Es ist eine geologische Epoche, die von dramatischen Klimaveränderungen geprägt ist. Wir nutzen es als Linse, um über die Gegenwart nachzudenken und sie in eine dystopische Zukunft zu projizieren. Nicht alle Komponisten haben diese Inspiration auf die gleiche Weise aufgenommen: Jeder hat sich ihr mit unterschiedlichen Ideen genähert.
In Mauro Lanzas Stück »You can easily return to the past but no one is there anymore« gehen wir zum Beispiel von der Idee aus, dass drei Instrumente elektrifiziert sind–und wir haben auch Computerstimmen. Wir beginnen also mit nicht-akustischen Klängen: Der akustische Klang der Instrumente wird im Grunde genommen gelöscht. Wir verwandeln uns als Instrumentalisten in etwas anderes. Und dann kommt eine Reflexion über eine dystopische Idee: Die Instrumente und die Instrumentalisten werden wie Roboter. In diesem Sinne hat er dieses Konzept des Eozäns aufgegriffen und es genutzt, um über die Zukunft nachzudenken–wie könnten Worte und Musik existieren, wenn es keine Menschen mehr gibt und Maschinen spielen? Das ist auch ein Stück, das wir im Kinderprojekt zeigen wollen, weil es eine lustige Interpretation dieser Zukunft bietet–das Stück ist ziemlich witzig. Auch der Text hat verschiedene Komplexitätsebenen: Es ist spannungsgeladenes und dichtes Material, aber es bietet viele Möglichkeiten, das Thema neu zu interpretieren, worüber wir nachdenken müssen.
Dann gibt es noch Giovanni Bertellis »Monarca«–er beschäftigt sich mit einem Naturphänomen: Monarchfaltern und ihrer Wanderung. Er arbeitet auch mit Elektronik, aber neben sehr akustischen Klängen.
Wir haben auch Filippo Peroccos »Fiato«, ein sehr zartes und zerbrechliches Stück, in dem Stimmen verwendet werden. Die Verwendung von Stimmen ist ein weiteres Thema des Projekts, denn in »Lanza« haben wir auch Stimmen, aber es sind Computerstimmen. Also haben wir versucht, verschiedene Arten von Stimmen in das Projekt selbst einzubauen. In »Fiato« wird die Stimme nicht wirklich gesungen–sie wird auf eine andere Art und Weise eingesetzt. Wir sind keine Sänger, aber es ist auch keine Sprechstimme. Sie wird zu einer Farbe, die verschiedene Schichten erzeugt.
Und dann haben wir Silvia Borzellis »strata (reverse ruins)«, das sich ganz explizit mit Prozessen der Erosion und materiellen Transformation beschäftigt–mit verschiedenen »Schichten« der Materie und wie Ruinen Schicht für Schicht entstehen können. Sie reflektiert dies in der Musik durch die Idee, verschiedene Schichten musikalischen Materials zu schaffen–wie bei der Entstehung eines Minerals. Wir verwenden auch Mineralien, um unsere Instrumente zu spielen. Jedes Stück reflektiert also auf seine eigene Weise verschiedene Aspekte der Natur.
Wir haben auch über die Zukunft nachgedacht: wie der Klimawandel uns zur Migration zwingen könnte–und dann haben wir die wandernden Schmetterlinge. Das war einer der Gründe, warum wir von dieser Reflexion ausgehen wollten, denn wir kommen aus den Dolomiten und sehen diese Landschaft, die wirklich wunderschön ist. Jedes Mal, wenn wir hierherkommen, um zu proben, ist das eine Art Inspiration. Aber die Lage der Welt ändert sich echt schnell–und das macht es auch schwierig, zeitgenössische Werke zu schaffen. Wenn wir diese Schönheit sehen, denken wir darüber nach, wie es in 100 Jahren sein könnte oder wie die Welt früher war.
Und Fiato bedeutet »Atem«, richtig? Es geht also auch ums Atmen.
Genau! Auch weil wir in diesem Stück die Stimme einsetzen, und das war Teil der Inspiration.
Perocco schafft mit sehr komplexen, aber fragilen Materialien einen einzigartigen Klang für das Ensemble. Stell dir vor: Wir mischen diese Stimmen, die nicht wirklich gesungen werden–es ist eine andere Art, die Stimme zu nutzen. Und es gibt immer diese Idee des Atems, der sich entwickelt und dann in etwas ganz anderem endet.
All diese Stücke sind unterschiedlich, aber sie stehen auch im Dialog miteinander. Lanzas Stück zum Beispiel ist sehr düster–sehr lang, sehr dicht, sehr komplex. Dann haben wir Fiato, das mit etwas beginnt, das oft am Anfang passiert–wie ein Dialog zwischen uns vier –, aber dann wird es ganz anders, viel rhythmischer. Es basiert auf einem Text, den wir sprechen–er ist auf Italienisch und für mich sehr poetisch. Es ist wie Poesie. Ich sehe es wirklich als Poesie und finde es sehr menschlich. Das ist ganz anders als bei Lanza, wo die Menschen wie Maschinen sind. Das heißt nicht, dass es keine Möglichkeit gibt, mit der Interpretation noch weiter zu gehen, aber das Stück selbst ist streng: Man soll elektrisiert werden. Deshalb ist mein Akkordeonklang nie ein Akkordeonklang; die Theorbe ist nie ein Theorbenklang.
Es gibt auch einen Unterschied in der Aufführungspraxis: In Lanza spielen wir zum Beispiel mit einem Klick, und in Perocco und Bertelli gibt es keinen Klick. Es war also eine große Herausforderung für uns, vier sehr unterschiedliche Charaktere in diesen Stücken zu unterscheiden und zu spielen.
Und in Borzellis Werk geht es um diese unvorhersehbare–stabile, aber instabile–Textur zwischen uns allen und der Elektronik. Manchmal weiß man nicht, woher der elektronische Klang kommt: ob er von der Akkordeon oder von etwas anderem stammt. Es ist wie ein Mechanismus, der sich immer weiter entwickelt und diese Schichten–diese Ruinen–schafft.
Das Programm hat auch einen Untertitel: »Deconstructing Humanity« (Die Dekonstruktion der Menschheit). Was bedeutet das?
Die Idee ist, dass wir manchmal sehr menschlich sind. Wir sind auf der Erde, sehr verbunden mit unserer Körperlichkeit als Darsteller–wie du weißt, als Menschen auf der Bühne. Ich erkenne das zum Beispiel, wenn wir über Perocco sprechen: Es ist ein sehr menschliches Gefühl–zu atmen und mit der Stimme Töne zu erzeugen. Auch wenn diese Stimme durch Elektronik verstärkt oder verändert wird–und die elektronische Veränderung ist wirklich ein Kernpunkt des Projekts.
Aber in Lanzas Stück sollen wir uns in einer Welt ohne Menschen befinden–mit elektrifizierten Stimmen, Computerstimmen. Wir haben also auch ein Alter Ego: Diese Computerstimme taucht auf und wird für uns zu einem Teil des Sinns. »Dekonstruktion der Menschheit« ist eine offene Frage: Was bedeutet es heute, Mensch zu sein? Was bedeutet es, ein Darsteller auf der Bühne zu sein? Was bedeutet es, heutzutage eine künstlerische Persönlichkeit zu sein, die Projekte schafft?
Und dann stellt sich die Frage: Für welches Publikum spielen wir? Das hängt auch mit dem Kinderprojekt zusammen.
Und schließlich: Warum über Naturphänomene sprechen? Weil wir wirklich denken, dass das gerade ein wichtiger Punkt zum Nachdenken ist–und weil es viele Möglichkeiten bietet, über die Zukunft nachzudenken.
Es geht also nicht darum, sich starr an ein einziges Thema zu klammern. Es ist eher ein erster Anhaltspunkt–etwas, das dem Publikum hilft, den roten Faden und das breitere Themenfeld der zeitgenössischen Musik zu verstehen. Für mich ist dieser Punkt wichtig: die Möglichkeit, zu sprechen, aber auch verstanden zu werden.
Der Titel kommt auch von dem, was wir tatsächlich mit Klang machen. In diesem Projekt dekonstruieren wir unsere Klänge. Azione Improvvisa basiert auf dem Konzept, neue Klangidentitäten zu schaffen, ausgehend von unseren sehr unterschiedlichen Klangästhetiken. Wir haben eine E-Gitarre, wir haben ein Akkordeon, das an Volksmusik erinnert, aber auch in zeitgenössischen Kontexten und für traditionelles Repertoire verwendet wird. Es hat also viele Facetten.
Dann haben wir die Theorbe, die hauptsächlich als Begleitinstrument für große Ensembles gedacht war, aber auch ein starkes Solorepertoire hat. Sie wurde auch sehr oft in Kombination mit Gesang eingesetzt. All dies hängt mit der Erforschung verschiedener Möglichkeiten zusammen, was es für Menschen bedeutet, auf der Bühne zu stehen.
Und dann haben wir noch Live-Elektronik, die ein wichtiger Teil dieses Ensembles ist, weil sie uns die Möglichkeit gibt, uns selbst zu dekonstruieren. Ich könnte stundenlang über dieses Konzept reden, weil es im Grunde das ist, was wir erforschen, um etwas Neues zu schaffen: neue Charaktere, neue Identitäten, neue Klänge. Aber auch etwas, das uns an das erinnert, was schon mal da war. Das ist ein weiterer Punkt in diesem Projekt: Viele unserer Überlegungen sind Überlegungen zur Zeit.
Und weil unsere Inspiration auch von unseren Instrumenten kommt: Wir spielen Instrumente, die aus verschiedenen Regionen und mit unterschiedlicher Geschichte kommen. Wir glauben also wirklich, dass diese Reflexion über die Vergangenheit und die Vorstellungskraft der Zukunft ein Schlüssel sein könnte, um unsere Forschung fundiert und fruchtbar zu machen–und auch für ein allgemeines Publikum verständlich.
Dieses Konzert ist sehr konzeptlastig. Es bezieht sich auf den Klimawandel, es verweist auf eine bestimmte Fachsprache, eine geologische Epoche. Instrumentalmusik widersetzt sich normalerweise einer wörtlichen Botschaft. Glaubst du, dass Musik alles ausdrücken kann? Diese Debatte gibt’s schon lange: Jahrhundertelang waren einige Komponisten überzeugt, dass sie alles ausdrücken kann, während andere–wie Strawinsky–darauf bestanden, dass Musik nichts ausdrücken kann. Wo stehst du?
Das ist eine echt schwierige Frage. Wir kommen aus der Improvisation und von der Idee, dass Musik verschiedene Dinge auf verschiedenen Komplexitätsebenen ausdrücken kann. Musik ist Musik–sie spricht von Energie, sie spricht von Gestik, sie spricht von den Beziehungen innerhalb des Klangs. Aber deine Frage hängt für mich auch mit etwas ganz Klarem zusammen–in der Vergangenheit und heute –, nämlich: Warum spielen wir? Warum sind wir hier? Für wen spielen wir? Diese Fragen sind für mich sehr wichtig.
Und ich glaube wirklich, dass Musik in Kombination mit einem Thema das Publikum tiefer ansprechen kann. Ich meine: Die Leute kommen zu einem Konzert, das »von etwas handelt«, und dieser Rahmen kann eine Tür öffnen. Also ja, ich glaube, Musik kann ausdrücken–aber es ist eine komplexe Frage. Ich schätze auch Komponisten, die die gegenteilige Ansicht vertreten, sehr, und ihre Musik kann so gut funktionieren, dass sie für mich immer noch viel ausdrückt.
Vielleicht ist die richtige Antwort also: Es gibt keine richtige Antwort. Aber eine mögliche Antwort ist, dass man sich die Frage fast gar nicht stellen muss, wenn die Musik, die Interpreten und das Gesamtkonzept stark genug sind. Musik drückt etwas aus–und das ist okay.
Azione Improvvisa vereint Instrumente mit sehr unterschiedlichen kulturellen Hintergründen–Theorbe, E-Gitarre, Akkordeon, Elektronik. Was war die künstlerische Idee hinter dieser speziellen Kombination? Was macht den Reiz dieser Instrumentenkombination aus und was ist die größte Herausforderung?
Ich fange mit der Herausforderung an, weil das unser erster Punkt war. Die Herausforderung besteht darin, dass man bei der Schaffung einer neuen Instrumentenkombination vor einem unbeschriebenen Blatt steht, weil es keine Literatur dazu gibt. Das war inspirierend–ein Ausgangspunkt –, aber auch sehr herausfordernd. Wir haben mit ein paar Stücken von Stockhausen und einigen Stücken in offener Form angefangen. Und dann kam ganz schnell die Frage auf: Wie finanzieren wir unsere Idee? Wie bringen wir gute Komponisten für so ein Projekt dazu, mitzumachen?
Wir haben mit Freunden angefangen, mit den kleinsten Möglichkeiten, und sind dann Schritt für Schritt gewachsen.
Aber warum wollten wir so etwas schaffen? Das ergab sich ganz natürlich. Ich studierte in Deutschland und spielte zusammen mit Andrea Antonel–er ist einer meiner besten Freunde–und die Kombination von Akkordeon und Theorbe war äußerst interessant. Der Klang war für mich schon sehr inspirierend.
Dann hatten wir einen gemeinsamen Freund–den ersten, der zusammen mit mir darüber nachdachte, dies als Improvisationsprojekt zu realisieren.
Wir dachten: Okay, wir brauchen etwas, das uns weit weg von dieser Idee der »Transkription« und den Barockklängen bringt–denn das Akkordeon kann auch mit dem Barock in Verbindung gebracht werden. Manchmal, wenn man Transkriptionen spielt, klingt es wie eine kleine, tragbare Orgel–nicht genau wie eine Orgel, aber es kann an diese Klangwelt erinnern. Und dann hatten wir die E-Gitarre und natürlich die Elektronik.
Warum also diese Kombination? Weil wir etwas Neues schaffen wollten. Und »neu« gibt einem Freiheit. Und um frei zu sein–um zu träumen–muss man auch viel arbeiten, um es zu verwirklichen. Es reicht nicht, nur zu träumen: Man muss auch konkret sein. Wie finanziert man das? Wie bezieht man Menschen mit ein?
Aber von Anfang an wollten wir eine neue Klangidentität schaffen–denn normalerweise »spielen« diese Instrumente ohne Verstärkung, ohne Elektrifizierung, ohne Elektronik nicht gut zusammen. Das schafft ein unbekanntes Feld–nicht nur für uns, sondern auch für die Komponisten–und gibt dir Freiheit: Freiheit zu experimentieren, Freiheit, tiefer zu gehen.
Diese Idee war im ersten Jahr sehr präsent. Jetzt haben wir etwas Literatur–wir haben eine konkretere Vorstellung davon, was bisher gemacht wurde –, aber das beeinflusst neue Kreationen nicht allzu sehr. Denn die beste Möglichkeit dieses Ensembles ist immer noch dieselbe: eine Art tabula rasa zu bewahren und neue Klänge, neue Klanglandschaften zu entwickeln. In diesem Konzert wirst du vier sehr unterschiedliche Welten hören.
Mit dieser Instrumentierung kann man alt, populär, verstärkt, synthetisch klingen. Wie verhindert man, dass das Ganze zu bloßem Eklektizismus wird, und schafft stattdessen das Gefühl eines einzigen Organismus?
Manchmal ist es die Elektronik–sie wirkt wie ein Klebstoff. Und manchmal hängt es davon ab, wie die Instrumente eingesetzt werden. Das Akkordeon kann zum Beispiel ein sehr mechanisches Instrument sein, es kann ein sehr legato-lastiges Instrument sein, es kann ein sehr gestisches Instrument sein. Man muss den Komponisten also sehr klar vermitteln, was die Instrumente leisten können.
Es gibt Ansätze, die sehr gut zusammenpassen. Ja, Elektronik schafft oft diesen »Klebstoff« innerhalb der Gruppe, aber es ist auch sehr wichtig, dass die Komponisten den allgemeinen Klang und die allgemeinen Möglichkeiten des Ensembles verstehen, damit sie Einheit schaffen können–nicht die Einheit von vier getrennten Ideen, sondern die Einheit des Klangs.
Kommen wir nun zum Kinderprojekt. Es geht »um Roboter und andere Menschen«–worum geht es also eigentlich, und was sollen die Kinder daraus mitnehmen?
Wir wollen, dass die Kinder zunächst einmal verstehen, was die Instrumente dieses Ensembles sind–denn es ist sehr ungewöhnlich, eine Akkordeon zu sehen. Manche Leute haben vielleicht eine zu Hause, aber heute vielleicht nicht mehr. In meiner Generation hatte jeder eine Akkordeon zu Hause, aber heute ist das anders.
Und dann die Theorbe–was ist das? Die E-Gitarre und dann die Elektronik. Also werden wir zuerst vorstellen, wer wir sind, wie wir arbeiten und was es bedeutet, auf der Bühne aufzutreten–und wir werden ihnen auch den »reinen« akustischen Klang der Instrumente hören lassen.
Warum Roboter? Hauptsächlich, weil dieses Projekt mit dem Stück von Mauro Lanza »Du kannst leicht in die Vergangenheit zurückkehren, aber niemand ist mehr da« verbunden ist. Der Titel ist schon wie ein Paradoxon und reflektiert ein altes Foto, die Möglichkeit, sich an die Vergangenheit zu erinnern–aber auch eine Zukunft, in der es vielleicht keine Menschen mehr gibt. Wir werden versuchen, das den Kindern auf lustige Weise zu erklären–denn es ist auch lustig, die Effekte und die Idee dieser Stimmen, dieser Computerstimmen, zu hören.
Dann werden wir ein wenig über den Hintergrund sprechen–aber nicht zu viel. Das Wichtigste ist, die Kinder hören zu lassen, was passiert, wenn man die Instrumente elektrifiziert: wenn man die Effekte hinzufügt, die Mauro Lanzas Klangwelt ausmachen. Wir können sie fragen: Okay–klingt es immer noch wie eine Akkordeon, wie das, was ihr vorher gehört habt? Ja oder nein?
Das kann ein erster Ansatz für das sein, was wir machen. Kinder sind immer sehr neugierig, und für sie ist es unglaublich inspirierend, Menschen live spielen zu sehen. Das ist das Erste–denn für viele Kinder der neuen Generation, zumindest in Italien, ist es immer noch etwas Besonderes, Live-Musik aus nächster Nähe, im selben Raum, zu erleben.
Und es wird zu einem Austausch–denn Musik ist Austausch. Jemand hört uns zu. Im letzten Teil spielen wir dann auch das Stück von Mauro Lanza, damit sie einige der Klänge wiedererkennen können, denen sie bereits begegnet sind.
Wir probieren auch etwas aus, das wir Musikbox nennen–ein kleines Spiel, bei dem die Kinder Sensoren an einer Box ausprobieren können. Die Sensoren lösen die gleichen Effekte aus, die wir auf der Bühne verwenden. Die Idee ist also: Sie hören zu, aber es fühlt sich nicht wie ein Vortrag an. Es wird zu einem Projekt, bei dem wir versuchen, die Kinder in den Prozess einzubeziehen–in eine kleine Form der Kreation.
Warum Roboter? Weil wir mit Menschen auf der Bühne beginnen, die akustisch spielen–und dann, durch diese Reflexion über die Zeit und dank der Möglichkeiten, die uns die Technologie bietet, zu etwas ganz anderem werden. Ein elektrifizierter Akkordeonist, ein elektrifizierter »Bass«-Theorbe, ein elektrifizierter Gitarrist. Das kann auch lustig sein–denn es ist ein schwieriges Thema, über die Zukunft nachzudenken. »Schön« kann auch nicht schön sein. Deshalb versuchen wir, einen zusätzlichen Optimismus hinzuzufügen, der meiner Meinung nach immer dann entsteht, wenn man die Chance hat, etwas Neues zu schaffen.
Das ist der Punkt: Wenn man die Chance hat, etwas Neues zu schaffen–etwas Neues aufzuführen, einer neuen Generation etwas Neues zu präsentieren –, muss man Optimismus und eine gewisse Freude mitbringen.
Es beginnt mit einer »großen Transformation«: »Heute werden wir alle zu Robotern.« Im heutigen Kontext könnte das ein wenig beängstigend klingen. Nicht jeder ist begeistert davon, ein Roboter zu werden oder mit Robotern umzugehen.
Für mich ist es interessant, über diese Themen zu sprechen, weil ich denke, dass es die Zukunft ist. Wir müssen diese Idee irgendwie normalisieren.
Und das hängt mit einem meiner Lieblingsthemen zusammen: der Angst vor dem Neuen–etwas, das wir auch in der zeitgenössischen Musik erleben. Sehr oft, wenn wir etwas Neues präsentieren, haben die Leute Angst: Angst vor neuen Botschaften, neuen Ensembles, neuen Möglichkeiten. Indem wir darüber sprechen und es normalisieren–indem wir diese Entwicklungen, diese Veränderungen im zeitgenössischen Leben in ein Konzert einbauen –, können wir sie optimistischer und »normaler« angehen.
Ich denke, das ist ein guter Ausgangspunkt für diese Themen.
Du unterrichtest auch und entwickelst kinderorientierte Formate. Ich habe auch mit Kindern im Bereich Musik gearbeitet und war immer der Meinung, dass zeitgenössische Musik gut dazu passt–weil Kinder Geschichten und ungewöhnliche Klänge lieben und nicht mit der Vorstellung kommen, dass diese Musik »schwierig« oder »nur für Erwachsene« ist. Ihre Reaktionen können sehr direkt sein. Wie waren deine Erfahrungen?
Sie lieben das Neue. Sie haben keine Angst vor dem Neuen. Diese Angst taucht meist erst auf, wenn man älter wird–wenn man alles kategorisieren will und auch das Gehör kategorisiert wird.
Ich denke immer über diesen Gedanken nach: Wie unser Gehirn und unser Gehör funktionieren, wie wir verstehen und hören–das basiert auf Gewohnheiten. Wenn man einen Klang zweimal hört, kann man ihn vielleicht lieben–aber man muss erst die Chance haben, ihn kennenzulernen.
Für mich ist es daher wichtig, die neue Musik, die wir machen, an die neue Generation und an Kinder weiterzugeben, denn sie brauchen die Möglichkeit, diese Klänge zu erleben. Institutionen und Erwachsene können davor Angst haben–Kinder jedoch oft nicht. Dennoch verdient jeder die Möglichkeit, zu experimentieren: mit allen möglichen Klängen, allen möglichen Arten von Musik.
Und wenn man sie als Kind hört, trägt man sie schon in sich. Man erinnert sich daran. Man kann sie schätzen. So funktioniert das, auch neurologisch.
Kürzlich habe ich ein sehr komplexes Stück von Samir Odeh-Tamimi in einer Bibliothek gespielt, in einem offenen Raum. Es waren viele Kinder da, und tatsächlich waren die Kinder das beste Publikum.
Sie saßen direkt vor mir und waren total begeistert von dieser Musik–Musik, die Erwachsene vielleicht als »schwierig« bezeichnen würden.
Und genau das ist der Punkt: Die Schwierigkeiten kommen oft erst später–wenn man erwachsen ist oder sogar schon Teenager. Aber Kinder können sich den schwierigsten, »unzugänglichsten« Dingen auf sehr direkte Weise nähern. Sie stürzen sich direkt darauf.