Ylli Daklani
Sa. 07.02., 19:00 Uhr
Ylli Daklani über sein Stück »When all the leaves have been burned«
1974 veröffentlichte Jugoton–ein Plattenlabel im ehemaligen Jugoslawien–ein Folk-Album, eingespielt von Mitgliedern des Rugova Autochthonous Folk Ensemble, eines kosovo-albanischen Gesangs- und Tanzensembles, das 1947 gegründet wurde und bis heute aktiv ist. Das Album enthält einige faszinierende Volkstraditionen aus Rugova, etwa den Rugova-Schwerttanz, kënga e fytit e grave (Kehlgesang von Frauen), kënga maje krahu (das »Lied über der Schulter«) und andere.
Der Track, der mich jedoch am meisten berührt hat, war Duet Fleta (Blätter-Duett), in dem die Ausführenden Baumblätter benutzen, um Musik zu machen–eine archaische Tradition unter Hirten. Diese Praxis hat mich sofort fasziniert, und ich wollte sie in meinem Stück aufgreifen. Deshalb habe ich eine zeitgenössische Lösung gesucht, die dieser Tradition ähnelt.
Der Teil des »Verbrennens« stammt aus den Erfahrungen, die meine Familie und ich während des Kosovo-Krieges gemacht haben. Ich war noch ein Baby, als meine Familie im April 1999 gewaltsam aus unserer Heimatstadt Mitrovica vertrieben wurde und unser Haus niedergebrannt wurde. Den Rest des Krieges verbrachte meine Familie als Flüchtlinge in Albanien. Nach der Befreiung kehrten sie zurück und bauten schließlich das Haus und ihr Leben wieder auf.
Das verbrannte Blatt in meinem Stück steht daher für die Zerstörung, die der Krieg verursacht hat, für die tiefgreifenden Veränderungen, die er mit sich brachte, und für den Wunsch und den Willen, nach allem, was verbrannt wurde, wieder zu heilen und neu zu erblühen.
Auch der im Stück verwendete Text spiegelt das wider. Er stammt aus dem Eröffnungsgesang von »Lahuta e Malcís«, einem albanischen epischen Gedicht von Gjergj Fishta, das in Jugoslawien verboten war. Die Worte »Ndihmo, Zot, si m’ke ndihmue!«, übersetzt als »Hilf mir, Gott, so wie du mir einst geholfen hast«, sind ein erneuter Ruf nach göttlicher Unterstützung–diesmal für den Prozess des Wiederaufbaus.