Malin Bång: unfurling
für Gitarre und Orchester
»Unfurling« entdeckt koexistierende Erinnerungen als Wahrnehmungsräume aus Gegenwart und Vergangenheit.
In meinem Konzert »marled« für Innenklavier und Orchester habe ich verschiedene Klangräume erkundet, von der ganz nahen, klar artikulierten Umgebung bis zum blassen Horizont in der Ferne. In »unfurling« mit der Sologitarre als dem Cicerone, unserem Fremdenführer, knüpfe ich an die Idee der verschiedenen Räume an, allerdings geht es hier eher um innere Räume und um die Schichten von Erinnerungen, die in uns wie ein komplexes Gewebe miteinander verbunden sind. Ein Trigger in unserem alltäglichen Leben bringt plötzlich einen Schrei aus der Vergangenheit mit schmerzhafter Realität zurück. Eine andere Erinnerung wohnt vielleicht wie ein schwaches, aber unerbittliches Flüstern in uns und wartet darauf, dass der Lärm verschwindet, um dann ins Bewusstsein zu treten. Durch wogende Erinnerungswellen wird die chronologische Zeit herausgefordert. Und wenn sich ein bestimmter Raum eben entfaltet, friert die Zeit womöglich ein, als würde sich eine Welle gerade in dem Moment, in dem sie bricht, in Eis verwandeln.
Die Gitarre und das Orchester sind in einen Strom sich ständig verändernder Bedingungen eingebunden, in dem der Solist gelegentlich die Rolle des Katalysators übernimmt. Zu anderen Zeiten geht er in den Strömungen des Orchesters unter.
(Malin Bång)