Christoph Ogiermann

Christoph Ogiermann

Christoph Ogiermann (*1967 in Bad Pyrmont) begann 1990 auf Anregung von Erwin Koch-Raphael zu komponieren und schloss 2000 sein Kompositionsstudium bei Younghi Pagh-Paan an der Hochschule für Künste Bremen ab. Weitere wichtige musikalische und philosophische Studien bei Georges Nicolas Wolff und Nicolas Schalz. Er ist Komponist, Instrumentalist, Rezitator, Kurator, Mitbegründer des MusikAktionsEnsembles KLANK, Mitglied in den Künstler:innenKollektiven stock11 und TONTO (Graz), Mitglied und Künstlerischer Leiter der projektgruppe neue musik bremen, Gründer und Künstlerischer Leiter der Bremer Reihe REM für elektronische Musik. Er lebt in Bremen.

Lena Prents

Lena Prents

Lena Prents (* in Minsk, Belarus) studierte deutsche Philologie in Minsk und Kunstgeschichte und Germanistik an der Freien Universität Berlin. Tätigkeit als Kulturmanagerin, Kuratorin und Autorin im internationalen Kulturbereich, zuletzt im Bereich Bildende Kunst des Goethe-Instituts e.V. Schwerpunkte ihrer Tätigkeit als Kuratorin und Vermittlerin: zeitgenössische Kunst- und Ausstellungspraxis in Verschränkung mit gesellschaftspolitischen Diskursen, Kunst und Kultur im östlichen Europa während des Staatssozialismus, Architekturgeschichte. Seit Dezember 2020 Leiterin der Prater Galerie und des Bereichs Bildende Kunst des Bezirksamts Pankow.

Practises of Subordination

Sergey Shabohin / Christoph Ogiermann

Der Künstler, Kurator, Kunst-Aktivist und Kritiker Sergey Shabohin (*1984 in Novopolotsk, Belarus) lebt und arbeitet in Poznan, Polen. 1999–2002 Studium am Republican College of Art, Minsk, Belarus; 2002–2009 Studium an der Belarusian State Academy of Arts, Minsk, Belarus; 2009–2013 Kurator und Co-Kurator einiger Ausstellungen in der Y Gallery, Minsk, Belarus; 2011–2014 Gründer und Chefredakteur des Portals für zeitgenössische belarussische Kunst Art Aktivist (artaktivist.org); seit 2015 Mitbegründer und Hauptherausgeber der Plattform für zeitgenössische belarussische Kunst KALEKTAR (kalektar.org). Residencies: 2016 Gaude Polonia (Stipendium), Warschau, Polen; ZKM, Karlsruhe, Deutschland; 2013 Galeria Arsenal, Bialystok, Polen. Preise: 2009 Belarussischer Pavillon der 53. Biennale von Venedig im Ausstellungszentrum Belexpo, Minsk, Belarus. Preisträger des Pavillons. Nominierungen: The Jury’s Choice & The Choice of Viewers.Einzelausstellungen: 2016 »Practices of Subordination«, GaleriaArsenal power station, Bialystok, Polen; PUST*, Kubus, ZKM, Karlsruhe, Deutschland, mit Yuri Akbalkan, Alexandra Portyannikova und Snezhana Vinogradova; 2015 »ST( )RE«, Totalinstallation für die Ausstellung »All That Is Solid Melts into Air«, Bogdanovich Museum, Minsk, Belarus; 2015 »Gold Censorship«, Installation für das Art Prospect Festival, St. Petersburg, Russland; 2013 »Wozu Poesie?«, Frankfurter Buchmesse, Hauptprogramm, Frankfurt am Main / Galerie KUB, Leipzig / Akademie der Künste, Halle 3, Berlin, alle Deutschland; »ST()RE«, Art Residency –The East of Culture / Another Dimension, Galeria Arsenal, Bialystok, Polen; 2012 »Practices of Subordination«, Totalinstallation für die Ausstellungen »The Radius оf Zero. The Ontology оf Art-Zero«, Horizon Plant, Minsk, Belarus / Spiracje International Art Festival, Szczecin, Polen / »Young Belarusian Art«, Wohnung von Simon Mraz, Moskau, Russland; 2011 »Art Terrorism«, Totalinstallation für die Ausstellung »The Journey to the East«, Galeria Arsenal, Bialystok, Polen; 2011 »Terror Ready-Made Collection«, Totalinstallation für die Ausstellung »Im Osten viel Neues«, Galerie des Polnischen Instituts Düsseldorf, Deutschland; 2010 »ST()RE«, Installation im öffentlichen Raum im Rahmen des Festivals »Art Boom«, Krakau, Polen; 2009 »Autoproject«, Y Gallery, Minsk, Belarus; 2009 »Vermes«, Theater Schaubude Berlin, Deutschland; 2008 Nordens Ljus Gallery, Stockholm, Schweden.

Valzhyna Mort

Valzhyna Mort

Die Dichterin und Übersetzerin Valzhyna Mort (*1981 in Minsk, Weißrussland) ist Autorin dreier Gedichtbände: Factory of Tears (Copper Canyon Press 2008), Collected Body (Copper Canyon Press 2011) und zuletzt Music for the Dead and Resurrecte“ (FSG, 2020), das von der New York Times zu einem der besten Gedichtbände des Jahres 2020 gekürt wurde und den International Griffin Poetry Prize gewann. Bei edition suhrkamp erschienen Musik für die Toten und Auferstanden (2021), Kreuzwort (2013) und Tränenfabrik (2008) .
Valzhyna Mort ist Stipendiatin der American Academy in Rome, der Lannan Foundation und der Amy Clampitt Foundation. Ihr Werk wurde mit dem Bess Hokin Prize von Poetry und dem Glenna Luschei Prairie Schooner Award ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für den Forward Prize.
Ihre Arbeiten sind in Best American Poetry, New Yorker, Poetry, Poetry Review, Poetry International, Prairie Schooner, Granta, Gulf Coast, White Review und vielen anderen erschienen. Zusammen mit Ilya Kaminsky und Katie Farris war sie Mitherausgeberin von Gossip and Metaphysics: Russische Gedichte und Prosa der Moderne.
Valzhyna Mort lehrt an der Cornell University und schreibt auf Englisch und Belarusisch. Sie übersetzt aus dem Englischen, Belarusischen, Russischen, Ukrainischen und Polnischen. Für ihre Arbeit an Polina Barskovas Gedichtband Air Raid (Ugly Duckling 2021) wurde sie mit dem Gulf Coast Prize in Translation und dem National Endowment for the Arts grant in translation ausgezeichnet.
Valzhyna Morts Gedichtbände sind in Deutschland, Schweden und der Ukraine in Übersetzung erschienen, während einzelne Gedichte in ein Dutzend Sprachen übersetzt wurden. Sie wurde mit dem Burda-Preis für osteuropäische Autoren (Deutschland) und dem Crystal of Vilenica-Preis (Slowenien) ausgezeichnet.

Oxana Omelchuk

Oxana Omelchuk

Oxana Omelchuk (*1975 in Belarus) studierte bei Johannes Fritsch und Michael Beil an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Neben ihrer kompositorischen Tätigkeiten tritt sie als Musikerin in verschiedenen Formationen auf, wobei sich ihre Bandbreite als ausübende Musikerin in ihren Werken widerspiegelt. In ihrem Zugriff auf vorhandenes Material unterscheidet die Komponistin nicht zwischen U und E oder High and Low. In ihren Kompositionen möchte sie nicht primär Neues erschaffen, sondern vielmehr Vorhandenes, Wiedergefundenes ins Heute transformieren.

Seit einigen Jahren beschäftigt sie sich auch in ihrem kompositorischen Schaffen intensiv mit modularen Synthesizern, was für sie bedeutet, Werke aus experimentellen Versuchsanordnungen und improvisatorischen Prozessen heraus zu entwickeln.

Seit 2020 ist Oxana Omelchuk der Teil des Kollektivs Polar Publik, einer Gemeinschaft von Künstler:innen aus den Genres Tanz, Theater, Neue Musik und Bildende Kunst, die sich in ihren transdisziplinären Projekten an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft aktuellen Situationen widmen, in denen die Phänomene Macht und Ohnmacht explizit werden.

Jan Wagner

Jan Wagner

Jan Wagner (*1971 in Hamburg) lebt als Lyriker, Übersetzer englischer Lyrik und Essayist in Berlin. Neben Gedichtbändendarunter Regentonnenvariationen (2014), Selbstporträt mit Bienenschwarm. Ausgewählte Gedichte (2016) sowie Die Live Butterfly Show (2018) (alle im Hanser Verlag Berlin)veröffentlichte er die Essaysammlungen Die Sandale des Propheten (Berlin Verlag 2011), Der verschlossene Raum (Hanser Berlin 2016) und Der glückliche Augenblick (Hanser Berlin 2021). Er erhielt u.a. den Preis der Leipziger Buchmesse (2015) und den Georg-Büchner-Preis (2017).

Music for Girl’s Voice and Bison

Music for Girl’s Voice and Bison

»Music for Girl’s Voice and Bison« from MUSIC FOR THE DEAD AND THE RESURRECTED by Valzhyna  Mort.
Copyright © 2020 by Valzhyna Mort. Used by permission of Farrar, Straus and Giroux

Valzhyna Mort / Oxana Omelchuk

Die Dichterin und Übersetzerin Valzhyna Mort (*1981 in Minsk, Weißrussland) ist Autorin dreier Gedichtbände: Factory of Tears (Copper Canyon Press 2008), Collected Body (Copper Canyon Press 2011) und zuletzt Music for the Dead and Resurrecte“ (FSG, 2020), das von der New York Times zu einem der besten Gedichtbände des Jahres 2020 gekürt wurde und den International Griffin Poetry Prize gewann. Bei edition suhrkamp erschienen Musik für die Toten und Auferstanden (2021), Kreuzwort (2013) und Tränenfabrik (2008) .
Valzhyna Mort ist Stipendiatin der American Academy in Rome, der Lannan Foundation und der Amy Clampitt Foundation. Ihr Werk wurde mit dem Bess Hokin Prize von Poetry und dem Glenna Luschei Prairie Schooner Award ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für den Forward Prize.
Ihre Arbeiten sind in Best American Poetry, New Yorker, Poetry, Poetry Review, Poetry International, Prairie Schooner, Granta, Gulf Coast, White Review und vielen anderen erschienen. Zusammen mit Ilya Kaminsky und Katie Farris war sie Mitherausgeberin von Gossip and Metaphysics: Russische Gedichte und Prosa der Moderne.
Valzhyna Mort lehrt an der Cornell University und schreibt auf Englisch und Belarusisch. Sie übersetzt aus dem Englischen, Belarusischen, Russischen, Ukrainischen und Polnischen. Für ihre Arbeit an Polina Barskovas Gedichtband Air Raid (Ugly Duckling 2021) wurde sie mit dem Gulf Coast Prize in Translation und dem National Endowment for the Arts grant in translation ausgezeichnet.
Valzhyna Morts Gedichtbände sind in Deutschland, Schweden und der Ukraine in Übersetzung erschienen, während einzelne Gedichte in ein Dutzend Sprachen übersetzt wurden. Sie wurde mit dem Burda-Preis für osteuropäische Autoren (Deutschland) und dem Crystal of Vilenica-Preis (Slowenien) ausgezeichnet.

 

Oxana Omelchuk (*1975 in Belarus) studierte bei Johannes Fritsch und Michael Beil an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Neben ihrer kompositorischen Tätigkeiten tritt sie als Musikerin in verschiedenen Formationen auf, wobei sich ihre Bandbreite als ausübende Musikerin in ihren Werken widerspiegelt. In ihrem Zugriff auf vorhandenes Material unterscheidet die Komponistin nicht zwischen U und E oder High and Low. In ihren Kompositionen möchte sie nicht primär Neues erschaffen, sondern vielmehr Vorhandenes, Wiedergefundenes ins Heute transformieren.

Seit einigen Jahren beschäftigt sie sich auch in ihrem kompositorischen Schaffen intensiv mit modularen Synthesizern, was für sie bedeutet, Werke aus experimentellen Versuchsanordnungen und improvisatorischen Prozessen heraus zu entwickeln.

Seit 2020 ist Oxana Omelchuk der Teil des Kollektivs Polar Publik, einer Gemeinschaft von Künstler:innen aus den Genres Tanz, Theater, Neue Musik und Bildende Kunst, die sich in ihren transdisziplinären Projekten an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft aktuellen Situationen widmen, in denen die Phänomene Macht und Ohnmacht explizit werden.

Practises of Subordination

Teil 1
05.02.
14:30
MDJ, P1
Christoph Ogiermann Synthesizer Lena Prents Einführung

Sergey Shabohin / Christoph Ogiermann: Practises of Subordination

In seinem persönlichen Projekt »Practices of Subordination« analysiert Sergey Shabohin methodisch und akribisch die Mechanismen der Macht. Seit 2010 sammelt der Künstler im öffentlichen Raum und im privaten Umfeld Geschichten und triviale Objekte über alltägliche Ereignisse in Belarus, die von der bewussten, gewaltsamen Einmischung des Staates in das Leben seiner Bürger zeugen. Aus diesem »totalitären Archiv« von Textdokumenten, Bildern, Fotos und Objekten formulierte er in 18 künstlerischen Tafeln eine ergreifende Erzählung über die staatlichen Strukturen, die die Bürger im modernen Belarus unter Druck setzen.

 

Für das Projekt ECHOESVoices from Belarus I (ECLAT 2021) entstand ein eineinhalbstündiger Film, für den Shabohin die 18 Tafeln zu einem kontinuierlichen Narrativ zusammenführt und in dem Christoph Ogiermann in seiner Komposition die ganze Wucht, die in den visuellen Botschaften steckt, unmittelbar physisch erfahrbar macht. Ausschnitte dieser eindrucksvollen »Sammlung der verschiedenen Pathologien eines autoritären Systems« sind nun bei ECLAT 2022 live zu erleben. Dank der kenntnisreichen Interpretation der Kunsthistorikerin Lena Prents, die seit vielen Jahren die künstlerische Arbeit Sergey Shabohins begleitet, lernen wir dabei, die unzähligen Zitate und Symbole eines Lebens im Totalitarismus-System zu entschlüsseln.

Musik für die Toten und Aufer­stande­nen

Teil 2
05.02.
16:00
MDJ, P1
Valzhyna Mort Lyrikerin Oxana Omelchuk Composer-Performer Jan Wagner Lyriker

Valzhyna Mort / Oxana Omelchuk: Music for Girl’s Voice and Bison

(2022) ᵁᴬ

Über Dichtung und Musik: Jan Wagner im Gespräch mit Valzhyna Mort

»In der belarussischen Kultur gibt es keinen festen Grund, der Boden bewegt sich unter deinen Füßen und du musst immer neu die Balance finden«, sagt Valzhyna Mort. Ihre Poesie ist von pointierter, harter, rhythmischer Diktion, ihr Ton hat etwas Unerbittliches. Mit Belarus, dem Land ihrer Herkunft, in dem die Stille auch die Stille ist, die über Gräberfeldern liegt, wird sie nicht fertig. In einer Stadt aufgewachsen zu sein, in der ‚Straßen die Namen von Mördern‘ tragen, prägt die Erinnerung: Sie ist als ‚illegale Migrantin‘ in der eigenen Gegenwart anwesend.

 

Der Georg-Büchner-Preisträger Jan Wagner spricht mit Valzhyna Mort über ihren Gedichtband »Musik für die Toten und Auferstandenen« und das Gedicht »Music for Girl’s Voice and Bison«. Für Oxana Omelchuk hat die Dichterin das Gedicht auf belarusisch gelesen. Zum Abschluss des an Endrücken reichen Nachmittags entspinnt sich ein hybrider Dialog zwischen der Dichterin und der Komponistin: eine musikalische Gedicht-Interpretation mit analogem Synthesizer.

 

»Die Stimme von Valzhyna Mort erinnert uns auf wundersame Weise daran, dass Wörter viele Dinge tun könnensie können tanzen, sie können sich in Ironie ergehen, sie können die Liebe preisen, aber sie können auch die Wahrheit sagen.«
Adam Zagajewski

(Zitate aus dem Klappentext zu Valzhyna Morts Gedichtband »Musik für die Toten und Auferstandenen«. der edition suhrkamp, Berlin 2021)